Ton, Licht, LED-Wand, Catering, Heizung: Auf fast jedem Event hängt alles am Strom. Trotzdem ist die Stromversorgung oft der Punkt, an den bei der Planung zuletzt gedacht wird. Spätestens wenn mitten in der Rede der Fehlerstromschutzschalter auslöst, weil nebenan die Kaffeemaschine anspringt, merkt jeder, wie wichtig sie ist. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, welche Anschlüsse es gibt, wie du deinen Bedarf grob abschätzt und wann ein Aggregat sinnvoll ist.
Die Anschlüsse im Überblick
Auf Veranstaltungen begegnen dir im Wesentlichen zwei Steckersysteme: die bekannte Schuko-Steckdose und die Industriesteckvorrichtungen nach CEE-Norm. Die Werte unten sind rechnerische Höchstleistungen. In der Praxis planst du mit Reserve, weil Leitungen und Steckverbindungen unter Dauerlast warm werden.
- Schuko (230 V, 16 A): rechnerisch rund 3,6 kW. Reicht für eine kleine Sprachanlage, ein paar LED-Scheinwerfer oder einen Laptop am Rednerpult, aber nicht für Catering und Technik zugleich.
- CEE blau (230 V, 16 oder 32 A): einphasig, oft an Campingplätzen oder Außenanschlüssen. Bei 32 A rund 7,3 kW.
- CEE rot 16 A (400 V, Drehstrom): rund 11 kW, verteilt auf drei Phasen. Typisch für kleinere Bühnen- und Zeltaufbauten.
- CEE rot 32 A: rund 22 kW. Häufiger Standard für mittlere Veranstaltungen mit PA, Licht und etwas Video.
- CEE rot 63 A: rund 43 kW. Für größere Bühnen, LED-Wände oder wenn Technik und Catering an einem Anschluss hängen.
- CEE rot 125 A: rund 86 kW. Eher im Festival- und Open-Air-Bereich zu finden.
Wichtig: Ein Anschluss mit 63 A nützt dir wenig, wenn er 150 Meter von der Bühne entfernt liegt. Frag bei der Location deshalb nicht nur nach der Absicherung, sondern auch nach der Position der Anschlüsse und danach, welche anderen Verbraucher am selben Stromkreis hängen.
So schätzt du deinen Strombedarf ab
Eine erste Abschätzung bekommst du, wenn du alle Verbraucher mit ihrer Leistung auflistest. Die Angaben stehen auf dem Typenschild oder im Datenblatt. Typische Posten auf einem Event:
- Tontechnik: Eine Sprachanlage für Reden braucht wenig, eine Line-Array-Anlage für Live-Musik deutlich mehr. Moderne Endstufen ziehen in Spitzen kurzzeitig hohe Ströme.
- Lichttechnik: LED-Scheinwerfer sind sparsam, Moving Heads und Effektlicht summieren sich bei größeren Shows aber schnell.
- LED-Wände und Video: Je nach Fläche und Helligkeit oft einer der größten Technikverbraucher.
- Catering: Kaffeemaschinen, Spülmaschinen, Kühlung, Warmhaltegeräte und Fritteusen sind häufig die eigentlichen Stromfresser.
- Heizung und Klima: Elektrische Heizstrahler oder Zeltheizungen brauchen viel Leistung, besonders im Herbst und Winter.
Nicht alle Geräte laufen gleichzeitig unter Volllast. Umgekehrt ziehen manche Geräte beim Einschalten deutlich mehr Strom als im Betrieb. Bei Drehstrom kommt hinzu, dass die Last möglichst gleichmäßig auf die drei Phasen verteilt sein sollte. Plane deshalb immer mit Puffer und lass die Aufteilung von jemandem machen, der sich damit auskennt.

Technik und Catering trennen
Unsere wichtigste Regel aus der Praxis: Ton und Licht bekommen eigene Stromkreise, getrennt vom Catering. Das hat zwei Gründe. Erstens bleibt die Technik in Betrieb, wenn ein Wasserkocher oder eine Spülmaschine eine Sicherung auslöst. Zweitens vermeidest du Störgeräusche wie Brummen in der Beschallung, die durch andere Verbraucher im selben Netz entstehen können.
Wenn kein Netz da ist: das Aggregat
Auf freien Flächen, Wiesen oder Baustellen gibt es oft keinen ausreichenden Anschluss. Dann sorgt ein Stromaggregat für eine autarke Versorgung im Inselbetrieb. So haben wir es zum Beispiel beim Spatenstich der Knappschaft Kliniken in Bochum umgesetzt. Bei der Planung zählen vor allem diese Punkte:
- Leistung: Das Aggregat wird nach dem ermittelten Bedarf plus Reserve ausgewählt, nicht nach dem kleinsten verfügbaren Modell.
- Geräusch und Abgase: Schallgedämmte Geräte und ein Standort mit Abstand zu Gästen, Bühne und Zelteingängen.
- Kraftstoff: Die Tankfüllung muss für die gesamte Veranstaltungsdauer inklusive Aufbau und Soundcheck reichen, sonst brauchst du ein Nachtankkonzept.
- Schutzmaßnahmen: Erdung und Schutzkonzept legt eine Elektrofachkraft fest.
Sicherheit: Verteiler, Kabel und Prüfung
Für vorübergehende elektrische Anlagen auf Veranstaltungen gelten eigene Normen, etwa die DIN VDE 0100-711 für Ausstellungen, Shows und Stände. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, sind diese Grundsätze in der Praxis gesetzt:
- Stromverteiler mit Fehlerstromschutzschalter (RCD) statt Mehrfachsteckdosen in Reihe
- Geprüfte Kabel und Geräte, regelmäßig kontrolliert nach DGUV Vorschrift 3
- Kabeltrommeln unter Last vollständig abrollen, damit sie nicht überhitzen
- Kabelbrücken in Laufwegen, damit niemand stolpert und Leitungen nicht beschädigt werden
- Verteiler im Außenbereich gegen Regen geschützt und für Gäste unzugänglich
Welche Anforderungen im Einzelfall gelten, hängt von Location, Veranstaltungsgröße und Aufbau ab. Kläre das im Zweifel mit einer Elektrofachkraft, der Location oder der zuständigen Behörde. Bei größeren Veranstaltungen gehört die Stromversorgung auch in die Sicherheitsfachplanung.
Kurze Checkliste für deine Planung
- Welche Anschlüsse hat die Location, wie sind sie abgesichert und wo liegen sie?
- Welche Verbraucher bringen Technik, Catering und andere Dienstleister mit?
- Sind Technik und Catering auf getrennten Stromkreisen geplant?
- Reicht die Leistung inklusive Reserve, oder brauchst du ein Aggregat?
- Wer ist vor Ort für die Stromverteilung verantwortlich?
Häufige Fragen zum Strom auf Events
Reicht eine normale Steckdose für eine Musikanlage?
Für eine kleine Anlage bei einer Feier mit wenigen Gästen meist ja. Sobald Licht, größere Lautsprecher oder Catering dazukommen, wird eine einzelne Schuko-Steckdose schnell zum Engpass. Dann ist ein CEE-Anschluss mit Stromverteiler die sichere Lösung.
Was bedeutet CEE 32 A?
Das ist ein roter Drehstromanschluss mit 400 V, der mit 32 Ampere je Phase abgesichert ist. Rechnerisch stehen damit rund 22 kW zur Verfügung, verteilt auf drei Phasen.
Brauche ich für ein Aggregat eine Genehmigung?
Das hängt vom Veranstaltungsort und den Auflagen ab, zum Beispiel zu Lärm, Brandschutz oder dem Umgang mit Kraftstoff. Frag im Einzelfall bei der Location oder der zuständigen Behörde nach. Wir berücksichtigen solche Punkte bei der Planung.
Kann ich die Technik selbst abholen und anschließen?
Ja, viele Artikel kannst du über unseren Mietshop auch zur Selbstabholung mieten. Sag uns bei der Buchung, welche Anschlüsse vor Ort vorhanden sind, dann prüfen wir, ob das zusammenpasst. Für größere Aufbauten mit Bühne, Licht und Video empfehlen wir den Full-Service inklusive Stromverteilung.
Strom planen wir mit
Seit 2016 setzen wir Veranstaltungen im Ruhrgebiet und in ganz NRW um, rund 250 Events pro Jahr, mit einem Team aus über 20 Profis und einem Meister für Veranstaltungstechnik. Die Stromplanung gehört bei uns fest zum Angebot. Schick uns einfach die Eckdaten deines Events über das Kontaktformular oder ruf uns an unter 0208 780 16 270.



































